Auszüge aus diesen Ansprachen:

Claudia von Werlhof

"In der Tat, wir Frauen sind wirklich aufgerufen, überall, an allen Ecken und Enden, auf der ganzen Welt pulsierende, vibrierende, schwingende Orte möglich werden zu lassen - und zu verteidigen! - in denen Lebendiges wieder sein kann und in denen es um die radikalsten Fragen der Zeit geht und das heißt um die grundlegensten und die - auch für uns Frauen - unbequemsten."

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Christa Mulack

" Da mich weder Schwangerschaftsabbruch noch Gleichstellungspolitik interessierte, erfolgte mein Einstieg in die Frauenbewegung über grundlegende geistige Fragen.

Meine Visionen für das dritte Jahrtausend beziehen sich weniger auf Ansätze der Gegenwart als vielmehr auf Notwendigkeiten für die Zukunft. Sie beinhalten fünf Bereiche unseres sozialen Lebens.

1. Veränderungen in der Politik

2. Veränderungen in der Religion

3. Veränderungen der Männer

4. Veränderungen in den Beziehungen von Frauen und Männern

5. Veränderungen in den Beziehungen unter Frauen

Veränderungen in der Politik  Ich sehe ein Parlament, in dem mehrheitlich Frauen sitzen und d.h. 70-80 %. Sie wurden für jene Mehrheit gewählt, deren Interessen sie auch im alltäglichen Leben vertreten: Frauen, Kinder, Alte und Kranke.

Man hat erkannt, dass männliche Parlamentarier sich lediglich für die Interessen einer männlichen Minderheit einsetzen. So wurde der Überhang an Männern im Parlament abgeschafft. Finanzielle weibliche Abhängigkeit vom Mann ist unbekannt. Frauen erhalten selbstverständlich einen angemessenen Lohn für Kinderbetreuung und jede Form von Versorgungsarbeit. Auch brauchen sie sich nicht länger im Kampf um eigene Rechte entfremden zu lassen und können nunmehr authentische Verhaltensformen entwickeln. Dabei entdecken sie ganz neue Dimensionen des Frauseins. Im Ernstfall sind es die Mütter, die maßgeblich darüber entscheiden, ob eine Bedrohung von außen gravierend genug ist, um dafür Söhne und Brüder in den Krieg zu schicken."

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Ziriah Voigt

"Vor vielen Jahren hattet ihr einmal einen klugen Spruch in der Frauenbewegung "Das Private ist politisch" - erinnerst du dich noch? Ich sage dir heute einen neuen Spruch" Das Spirituelle ist politisch". Sage das den Frauen. Das müssen sie begreifen, mit den Händen greifen, mit dem Herz erfassen und mit allen Sinnen leben. Das ist meine Botschaft. Das Spirituelle ist politisch. Wie wollt ihr sonst eine Gesellschaft formen, wenn nicht durch den täglichen Umgang mit einer spirituellen Quelle?

Das ist politisch. Ihr meint, Politik sei wählen gehen oder auch mal demonstrieren. So schafft ihr keine wirkliche Veränderung. Nur die Namen werden ausgetauscht für die machtführenden Parteien und angeblichen Oppositionen."

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Monika Christann

" Ich plädiere dafür, dass wir Frauen uns unsere Symbole und unsere Definitionsmacht zurückholen und sie anwenden. Gemeinsame Symbole sind sehr mächtig und bezeugen, dass wir zusammengehören trotz aller Differenz und Unterschiedlichkeit. Die heutige Krawatte beispielsweise ist laut Carola Meier-Seethaler ursprünglich eine gebundene Schleife der Priesterinnen gewesen, die damit ihr Gebundensein an die Göttin dokumentierten. Knoten und lose Enden symbolisieren das Geben und Nehmen von Leben. Im Laufe der Jahrtausende ist die machtvolle Symbolik allerdings verlagert worden: Wer heute eine Krawatte trägt ist in der Regel ein Mann und symbolisiert damit die ausgeübte, privilegierte Macht. Es ist nun an uns, uns zu Beginn des neuen Jahrtausends des Wandels der Symbolik gewahr zu werden, und uns die Macht wieder zu nehmen. Männer haben ihre Chance einige Jahrtausende gehabt und ich sehe nicht, dass es für uns alle zum Guten war."

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Anna Dinkelmann

"Während des Eröffnungsrituals zum Hambacher Fest sind in die Bäume und Sträucher ringsum Bänder gebunden worden, als Zeichen unserer Zukunftsbilder und unserer Wünsche an die vor uns liegende Zeit.

Ich stelle mir den Sinn dieses Festes wie ein  G e w e b e  vor - wie ein von einer Vielzahl von Frauen zusammengeflochtener, gemeinsam gewirkter   S e g en  auf die kommende Zeit hin. Das Bändchen, das ich in diesen Segen einweben möchte, das stelle ich mir lila-golden vor - und das heißt H e i l u n g.  Das Allerwesentlichste für mich - in Bezug auf die vor uns liegende Zeit - ist, dass ich glaube, dass es eine Zeit der Heilung ist. Und - dass das schon vor einer ganzen Weile begonnen hat."

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Maria Zemp

"Der Körper als individuelle Ressource weist den Weg für politisches Handeln. Feministisch Heilen heißt, den Körper auch als poltischen Ort der Auseinandersetzung zu kennen und sich politisch einzumischen. Es sind unsere Körperwahrheiten, die Gewalt an Leib und Leben verabscheuen. Es ist der Körper, der immer wieder danach ruft, diese Gewalt nich als natürliches Phänomen der sogenannten Zivilgesellschaft hinzunehmen. Feministische Heilweisen verhelfen der Körperweisheit sich zu artikulieren und Frauen zu unterstützen, Schmerz und Zorn nicht zu befrieden, solange die Ursachen nicht bekämpft sind. Eine Tradition der Feministischen Spiritualität muss sich an der Haltung, die sie dem Körper zuweist, messen lassen. Politische Handlungsfähigkeit und die Wahrung oder Erkämpfung der Würde der Frauen sind Werte, die das Körperwissen hütet und diese Werte können wir nicht noch einmal opfern: weder der neuen Mitte noch der postfeministischen Beliebigkeit."

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Donate Pahnke

"Die magische Kraft des Wagens ist die Kraft, uns unserer eigenen Geschichte zu stellen und diese Geschichte zu verstehen und aufzuarbeiten, sei es unsere individuelle Lebensgeschichte oder unsere kollektive Geschichte als Frauen. Die magische Kraft des Wagens gibt uns den Mut, in der Vita contemplativa immer tiefere Bereiche unseres Mensch- und Frauseins zu erforschen, und in der Vita activa hinauszugehen und für unsere Überzeugungen einzustehen.

Die magische Kraft des Wagens erwächst aus dem Wissen, dem Wollen und dem klaren Bewusstsein dafür, dass wir als Frauen eine Stimme haben, die wir erheben können, um für uns selbst zu sprechen oder für die, die keine Stimme haben und uns um unsere Unterstützung bitten. Die Stimme des Affidamento ist die Stimme des Vertrauens und der Liebe zwischen uns Frauen und all jenen, die uns nahe stehen.

Wir meditieren. Wir lassen alles in uns zum Schweigen kommen, um den ganz anderen Stimmen zu lauschen: den Stimmen der Blumen, der Sterne, der Steine, den Stimmen unserer Schwestern und Mütter, die vor uns da waren, den Stimmen der Feen, der Göttinnen, der hilfreichen Geistwesen. Wir geben uns dem Schweigen hin in Demut und Stolz zugleich, in tiefem Respekt vor den Botschaften, die wir empfangen und arbeiten mit Lust und Freude an ihrer Umsetzung."

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Arikka Claudia Mayer

"Dieses Ja und das Ja zu der Frau mir gegenüber schafft das Wunder der Schwesterlichkeit, das Wunder der Mutter und Tochterschaft, das Wunder der Geliebtinnenschaft. Dieses Wunder bewirkt Erstaunliches: Es bringt unsere Macht zurück. Diese Macht haben wir nie wirklich verloren selbst, wenn es den Anschein hatte und wir in die Rolle der Opfer gerieten. Aber so, wie mich die alte Eiche gelehrt hat, dass ihre Stimme noch da ist, ihr Wissen, ihr Einfluss und ihre Essenz noch vorhanden sind, auch wenn ihr Stamm gefällt wurde. Und so, wie die Kultorte das Wissen, trotzt aller Zerstörung bewahrt haben, so hat sich jede von uns irgendwo diesen unzerstörbaren Kern erhalten: die Göttin in sich. Da die Zyklen der Göttin spiralförmig verlaufen, Sterben und Wiederkehr einfach nur Teil der Transformation sind, ist das meine größte und schönste Vision:

Jetzt ist die Zeit gekommen, von neuem zu beginnen, das Leben zu feiern."

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Heide Göttner-Abendroth

"Heute tauchen die Bilder der Großen Göttin des Matriarchats wieder auf, und immer mehr Frauen identifizieren sich damit. Wenn es uns Frauen gelingt, diese Wiederkehr der Göttin künftig auch mit matriarchalen Sozialmustern und matriarchaler Ökonomie zu verknüpfen, dann wird dieses Jahrtausend das unsere werden!

In diesem Sinne kann und soll das "Jahrtausend der Frau", von Frauen geprägt, ein Jahrtausend für alle Menschen werden, die das Patriarchat hinter sich lassen wollen und in egalitären, kooperativen, friedensbereiten, neuen matriarchalen Mustern leben wollen. Gleichzeitig soll es das "Jahrtausend der Erde werden, die nur auf diesem Weg von allen Wunden der Zerstörung geheilt werden und ihre unendliche Fülle und Schönheit wieder entfalten kann. Denn wir sind alle Teil von ihr."

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Email von Malika Grasshof (Kabylei)  

"Liebe Siegrun! Freundin, Schwester, Tochter unserer gemeinsamen Urmutter!

Bitte richte meine Stimme durch deine Person an die versammelten Frauen.

Anlässlich dieses einmaligen Tages, habe ich den Rat meiner Frauensippe eingeholt.

Ihr Vermächtnis lautet:

"Töchter in Europa, habt Mut, viel Mut für ein neues Denken und ein bewusstes Handeln im " Jahrtausend der Frau "!

Sag allen Frauen, dass sie sowohl die Ewigkeit als auch die Zukunft des Lebens, des Gelebten und unsere Verlängerung als Menschen dieser Erde verkörpern:

Als Frauen bewohnen wir die Welt mit unserem Körper !

Als Frauen bevölkern wir nicht nur die Planetin, wir beseelen sie auch!

Als Frauen sollen wir weiterhin das Göttliche Prinzip  - die Einheit von Materie und Geist - vereinigen und verewigen!

Frauen! Wisst ihr, dass ihr als Frauen das Leben seid !!!!"

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Andreas Wagner

"Ich bin ein Mann!

Zuerst möchte ich mich herzlich bedanken. Dafür, dass ihr uns Männern erlaubt habt auf euren Berg zu kommen!

Diese ist wahrlich ein weiblicher Planet und ich spreche hier stellvertretend für alle Männer. Auch für die Männer, die sich noch nicht erinnern, wo sie sich in diesem Moment befinden. Ich bitte euch Frauen, stellvertretend für alle Männer um Verzeihung. Für die Dinge und Taten, die wir bis heute begangen haben und die euch Frauen und uns Männern schadeten. Auch in diesem Moment geschehen noch viele schmerzbringende Dinge durch uns Männer. Die Verletzungen sind schlimm. Manch eine wird lange damit leben, bis sie verzeihen kann.

Ich gestehe die Schuld ein und bin voller Trauer über die Wunden und Schmerzen, die wir euch zugefügt haben und noch immer zufügen. Ich erkenne unsere Angst, die die Wurzel unseres wütenden Hasses gegen euch war. Lasst es uns beenden!

Wir bitten euch, uns zu vergeben und bitten euch um euer Verständnis, damit wir uns ändern können."

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