Modul II 2012
Donnerstag, 21. Juni bis Sonntag, 24. Juni 2012
Lehrveranstaltungen: Matriarchale Gesellschaften heute
Do. 21. Juni
- 19.00 - 20.30 Uhr
Befindlichkeitsrunde, Begrüßung / Vorschau auf die Lehrinhalte des Moduls
- 20.45 - 22.30 Uhr
„Die Tochter - Eine Clansage aus dem Matriarchat der Khasi“
Film von Uschi Madeisky und Daniela Parr
Das Leben der Khasi im Nordosten Indiens richtet sich nach der mütterlichen Ordnung. Der Mann ist Gast im Hause der Frau. Erfahrungsbericht und Film.
Dozentin: Uschi Madeisky
Uschi Madeisky ist Filmemacherin. Seit den 90er Jahren stellt sie Dokumentarfilme her, die von matriarchalen Gesellschaften und Lebensweisen erzählen.
www.tomult.de. Dafür bekam sie den Tony Sender Preis der Stadt Frankfurt a. M. Sie ist im Vorstand von MatriaVal, Verein zur Unterstützung matriarchaler Gesellschaften und Vermittlung matriarchaler Werte. Dieser Verein gibt auch die Zeitschrift MATRIAVAL Journal heraus.
www.matriaVal.de.
Sie lernt und lehrt an der Akademie ALMA MATER.
Fr. 22. Juni
- 09.00 - 09.15 Uhr
Morgenkreis: Der Morgenkreis ist ein gemeinsames Ankommen und wird von Stille, Körper - und Stimmarbeit begleitet.
- 09.15 - 13.00 Uhr
Lehrbereich: „Matriarchale Gesellschaften heute“
„Die Kleinfamilie als Säule des Patriarchats und wie können wir andere Wege beschreiten“
Dozentin: Dr. Mariam Irene Tazi Preve
Mariam Irene Tazi-Preve, geboren in Innsbruck, Österreich, ist Sozialwissenschaftlerin an der Universität Wien. Sie ist Politikwissenschafterin/Frauenforschung und Romanistin (Studium an der Universität Innsbruck) und arbeitet interdisziplinär in den Gebieten der Politikwissenschaft, Demographie und Familienforschung; Forschungsaufenthalte in Großbritannien, Australien und Spanien. Sie versteht sich als Patriarchatskritikerin mit matriarchalem Blick auf das weite Feld der Familie und Politik zu Familie. Ihre Forschungsarbeiten sind konkret den Themen Familien- und Bevölkerungspolitik, Vaterschaft und Mutterschaft, feministische politische Theorie sowie muslimischen Frauen in der Migration gewidmet. Neben Vorträgen im In- und Ausland hat sie zahlreiche Artikel und mehrere Bücher veröffentlicht, darunter Mutterschaft im Patriarchat, 2004, Peter Lang; Väter im Abseits, 2007, VS Sozialwissenschaften und zuletzt Familienpolitik – nationale und internationale Perspektiven
Aus meiner langjährigen Beschäftigung mit der Familie so wie wir sie in Europa kennen, habe ich den Schluss gezogen, dass nicht die einzelnen z.B. bei Scheidung „versagen“, sondern die Problematik liegt vielmehr im Glauben an ein bestimmtes familiales System, das sozial, politisch und medial unablässig propagiert und inszeniert wird. Wir werden uns mit den Belegen für das Versagen des Systems auseinandersetzen, um hernach zu einer Schlussfolgerung zu kommen, wem diese Strukturen nützen, die Frauen, Kinder und Männer in ein solches Korsett pressen. Wir werden dies mit Rückgriff auf die Geschichte und die empirischen Befunde aus der Sozialwissenschaft tun. Es geht auch darum, das Leiden (z.B. Scheidungskinder, isolierter Mutterstatus) an den Verhältnissen aufzuzeigen und zu analysieren.
Im nächsten Schritt werden wir die grundlegenden emotionalen Bedürfnisse von Kindern und Erwachsenen klären und daraus Skizzen entwickeln, welche familialen und erweiterte sozialen Beziehungen vonnöten sind.
Beispielhaft dafür stehen andere historische und gelebte matriarchale Traditionen, die die Geschlechter egalitär sozialisieren, indem der Familienverband als matrilineare Gemeinschaft verstanden wird, die den Rückhalt der kindlichen und erwachsenen Mitglieder darstellt. Wir werden uns insbesondere mit dem Verständnis von Mütterlichkeit und Väterlichkeit in matriarchalen Gesellschaften beschäftigen und sie jenen gegenüberstellen, die unter patriarchalen Bedingungen als Norm dargestellt werden. Ebenso wird das Bedürfnis nach erotischen Liebesbeziehungen thematisiert und der Umgang mit Partnerschaften in verschiedenen noch lebenden matriarchalen Gesellschaften anhand anthropologischer Untersuchungen beleuchtet.
Lehrbereich Feministisch-matriarchale Spiritualität
- ab 16.00 Uhr
Das Jahresrad im Zyklus der 8 Feste
Jahreskreis-Ritual „Sommer-Sonnenwende" auf einem starken Kult- und Kraftplatz
Einführung, Vorbereitung und Hintergrundwissen des Jahreskreisfestes. Die Teilnehmerinnen erhalten vorab ausführliche, schriftliche Unterlagen.
Die Sonne hat ihren höchsten Punkt erreicht. Das Fest der Fülle und Erfüllung. Es zeigt sich nun der schöpferische und mütterliche Aspekt der roten Göttin in der zweiten Gestalt: Die Fruchtbare - die Gebärende. Sie ist Schöpferin und Erhalterin allen Lebens auf dem Land und im Meer. " Mit dieser Kraft heilt die Göttin alle Spaltung, Zerrissenheit und Trennung und fügt die ursprüngliche Ganzheit, auch in uns, wieder zusammen". (Heide Göttner-Abendroth)
Heute ist der längste Tag und die kürzeste Nacht im Jahresrad - das Licht triumphiert - und doch beginnt der Abstieg in die Finsternis. Im Augenblick der größten Helligkeit wird wieder die Dunkelheit geboren. Der Zeitpunkt, an dem sich die Kräfte des Oben und des Unten durch uns selbst verbinden. Wir erfahren die schöpferische Kraft, die Vitalität, Euphorie, Lust, Freude und Wärme der Sonnenkraft. Die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde haben alles hervorgebracht, was sich verwirklichen wollte. Wir feiern den Höhepunkt der Entfaltung, feiern das Fest der Verwirklichung aller Dinge - die Pflanzen, deren Same sich bis jetzt nicht entfaltet haben, werden es auch nicht mehr tun können. Auch wir selbst schauen uns an, welche Impulse seit Lichtmess in Erscheinung treten wollten - die Früchte reifen, und in ihrem Inneren reift der Same, in dem das Leben des nächsten Jahreskreises angelegt ist. Die Farbe Rot, als Symbol des weiblichen Blutes und des Lebens wird dieses Fest bestimmen.
Sa. 23. Juni
- 09.00 - 09.15 Uhr
Morgenkreis: Der Morgenkreis ist ein gemeinsames Ankommen und wird von Stille, Körper - und Stimmarbeit begleitet.
- 09.15 - 13.00 Uhr
Lehrbereich: Matriarchale Kulturen heute
„Die geheimnisvolle und verborgene Kultur der Berber-Frauen Nordafrikas am Beispiel der Kabylinnen“
Dozentin Dr. Malika Grasshoff ( MAKILAM)
Kabylin, Historikerin, Ethnologin, Autorin, Bremen / Algerien.
Die Berber sind das älteste Volk Nordafrikas, das noch heute in Marokko, Algerien und Tunesien lebt. Sie waren eine Zeitlang Christen und nach der Eroberung durch die Araber Muslime. Trotzdem haben die Frauen der Kabylei ihre vorislamischen Bräuche bewahrt wie zum Beispiel die Verehrung von Heiligem, der Glaube an den bösen Blick und eine so genannte animistische Auffassung von den Kräften der Erde, der Sonne, der Quellen und des Regens.
Ich werde zunächst die wesentlichen Züge der oralen Tradition dieser Kultur der Frauen, die eng mit der Natur zusammenleben, vorstellen. Da sich die Frauen als Teil der Natur und von ihr umgeben begreifen, beziehen sich ihre Raum- und Zeitvorstellungen sowie ihr Orientierungssinn auf eine ganz andere Konzeption über die Natur als wir sie kennen. Ihre Kosmogonie steht folglich in engem Zusammenhang mit ihrer Kunst und wird durch eine spezifische Ornamentik in der Keramik und der Weberei dargestellt.
Charakteristisch für die Ornamentik aller Berber-Frauen sind die gerade Linie und das Dreieck, die zum Beispiel als Grundgestalt der Fibel vorkommt. Daraus ergeben sich Rauten, Quadrate und Rechtecke.
Die strenge Anordnung dieser Zeichen erfolgt sowohl horizontal als auch vertikal. Das Dreieck ist das meist gemalte Zeichen auf der Keramik und auf den Hauswänden. Diese Dreieckformen sollen als Umriss menschlicher Wesen angesehen werden. Mit der Spitze nach unten zeigt das Dreieck des Frauenkörpers die Kreuzung ihrer Beine. Das Dreieck mit der Spitze nach oben bezeichnet einen Mann (Makilam,1998).
Es handelt sich um eine Bildsprache, die nur Frauen zugänglich ist. Wir werden uns in die magische Welt dieser Frauen begeben, die diese geheime Schrift ausschließlich an ihre Töchter weitergegeben haben. Auf diese Weise sind Kabylinnen Zeuginnen einer alten Frauen-Kultur, die, sowohl ökonomisch als auch künstlerisch, die weibliche Kraft der Mütter verkörpert haben. Gleichzeitig haben sie bis heute eine eigenständige Frauen-Macht gelebt, eine Macht, die unsichtbar und dadurch ohne herrschen möglich war.
Möge uns dieser Tag mit der spirituellen Kraft dieser Mütter ernähren!!!
- 15.00 - 18.00 Uhr
Lehrbereich Moderne Matriarchatsforschung
Dozentinnen: Uschi Madeisky und Dagmar Margotsdotter-Fricke
„Gesellschaft in Balance“ Luxemburg „Gesellschaften des Friedens“ USA - Weltkongresse der Matriarchatsforschung.
Wir werden von diesen Weltkongressen berichten und mit den Teilnehmerinnen in Kleingruppen Inhalte daraus weiterentwickeln.
- 20.00 - 22.00 Uhr
Covenzeit: Die Covenzeit ist eine Zeit des bewussten Zusammenseins mit den Frauen des eigenen Covens in einem geschützten, vertrauensvollen Rahmen.
So. 24. Juni
Lehrbereich: Körper – Bewegung - Tanz
Gezeitentanz: Ritueller Kreistanz und Leiberleben
Dozentin: Tricia Laurent
Wir arbeiten im Laufe des Studienganges zu den Themen:
Leib-Bewußt-Sein; Erfahrungen zu den Elementen: Luft, Wasser, Feuer, Erde; Sonne-Mond-Zyklus im Jahreskreis, Spirituelle Verbindung; Weibliches Sein.
Folgende Übungen und Methoden werden uns auf diesem Weg begleiten: Körperspürübungen, gelenkte Meditationen, freier Tanz, rituelle Tänze, Körpergebärden, Körpergebete, reflektierende Gespräche, Einsatz kreativer Medien.
- 12.00 - 13.00 Uhr
Abschlussrunde: Gemeinsames Aufarbeiten der Lehrinhalte und Reflektion des Moduls. Abschied